Ein Stück Rhabarberkuchen oder eine Schale Kompott muss in der Schwangerschaft nicht automatisch vom Speiseplan verschwinden. Entscheidend ist, welcher Teil der Pflanze verwendet wird, wie er zubereitet ist und ob besondere Risiken wie Nierensteine oder eine Nierenerkrankung bestehen. Ich zeige, warum gekochte Rhabarberstangen meist unproblematisch sind, worauf Schwangere und Stillende achten sollten und wann Vorsicht sinnvoll ist.
Rhabarber ist gekocht meist erlaubt
- Gekochte Stangen sind in üblichen Mengen für gesunde Schwangere meist unbedenklich.
- Rhabarberblätter gehören nicht auf den Teller, weil sie sehr viel Oxalsäure enthalten.
- Rohverzehr und große Mengen sollten wegen möglicher Magen-Darm-Beschwerden vermieden werden.
- Joghurt, Quark oder Vanillesoße liefern Calcium, das Oxalsäure im Darm binden kann.
- Rhabarberwurzel als Abführmittel ist etwas anderes als das Gemüse und sollte in Schwangerschaft und Stillzeit nicht eigenständig angewendet werden.

Darf man Rhabarber in der Schwangerschaft essen?
Die kurze Antwort lautet ja, in der Regel schon. Für gesunde Schwangere gibt es keinen allgemeinen Grund, gegarte Rhabarberstangen vollständig zu meiden. Das Bundeszentrum für Ernährung nennt gekochten Rhabarber in üblichen Mengen als unbedenklich, sofern die essbaren Stangen richtig vorbereitet werden.
Der kritische Inhaltsstoff heißt Oxalsäure. Sie kommt natürlicherweise in verschiedenen Pflanzen vor und kann in größeren Mengen Übelkeit, Erbrechen oder Bauchschmerzen auslösen. Außerdem kann sie Mineralstoffe wie Calcium binden. Das klingt zunächst beunruhigend, wird bei einer normalen Portion Kompott oder Kuchen aber nicht automatisch zum Problem.
Ich würde Rhabarber in der Schwangerschaft deshalb nicht dramatisieren, aber auch nicht gedankenlos roh knabbern. Eine kleine Portion gut gegarter Stangen passt für die meisten Frauen problemlos in eine abwechslungsreiche Ernährung.
Warum Oxalsäure eine Rolle spielt
Oxalsäure ist kein spezieller Schwangerschaftsstoff, sondern ein natürlicher Bestandteil der Pflanze. Die Blätter enthalten besonders viel davon, während die Stangen deutlich besser für den Verzehr geeignet sind. Mit zunehmender Reife und gegen Ende der Saison steigt der Gehalt in den Stangen außerdem tendenziell an.
Beim Erhitzen wird der Rhabarber bekömmlicher und ein Teil der Oxalsäure geht in die Flüssigkeit über. Wer den Gehalt zusätzlich reduzieren möchte, kann die geschnittenen Stangen kurz blanchieren und das Wasser anschließend wegschütten. Bei einem klassischen Kompott ist das nicht zwingend nötig, aber bei empfindlichem Magen oder häufigerem Verzehr eine sinnvolle Maßnahme.
Eine Kombination mit Calcium ist praktisch. Joghurt, Quark oder eine calciumhaltige Vanillesoße können Oxalsäure im Verdauungstrakt binden. Das macht aus einem sehr süßen Dessert zwar keine vollwertige Mahlzeit, ist aber eine bessere Kombination als große Mengen Rhabarber mit viel zusätzlichem Zucker.
So wird Rhabarber schwangerschaftstauglich zubereitet
Nur die Stangen verwenden
Vor der Zubereitung entferne ich immer Blätter und Blattansätze vollständig. Auch kleine Reste gehören nicht in den Topf. Die Blätter sollten weder roh noch gekocht gegessen werden, da ihre hohe Oxalsäuremenge gesundheitsschädlich sein kann.
Gründlich waschen und vorbereiten
Rhabarber wächst bodennah und sollte deshalb unter fließendem Wasser gründlich gewaschen werden. Das trockene Ende schneidet man ab. Bei dicken oder faserigen Stangen kann die äußere Haut abgezogen werden, bei jungen dünnen Stangen ist das meist eine Frage der Konsistenz und nicht der Sicherheit.
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Garen statt roh essen
Rohe Rhabarberstangen würde ich in der Schwangerschaft nicht empfehlen. Sie sind sehr sauer, können den Mund pelzig wirken lassen und bei größeren Mengen den Magen reizen. Besser sind Kompott, gedünsteter Rhabarber, Kuchen oder eine gegarte Fruchtsoße.
Das Kochwasser sollte nicht weiterverwendet werden, wenn der Rhabarber zuvor blanchiert wurde. Zum Aufbewahren eignen sich Glas- oder Keramikbehälter besser als Aluminium, weil die Säure mit Aluminium reagieren kann.
| Zubereitung | Meine Einschätzung | Worauf achten? |
|---|---|---|
| Roh geknabbert | Eher vermeiden | Kann Magen und Mund reizen, Oxalsäure bleibt weitgehend erhalten. |
| Kompott oder gedünstet | Meist gut geeignet | Nur Stangen verwenden und nicht übermäßig große Portionen essen. |
| Rhabarberkuchen | Gelegentlich in Ordnung | Der Zuckeranteil ist oft höher als die Rhabarbermenge. |
| Rhabarbersaft oder Sirup | Nur sparsam | Enthält häufig viel Zucker und ist weniger sättigend als gegarter Rhabarber. |
Wann Schwangere besser vorsichtig sind
Eine besondere Zurückhaltung ist sinnvoll, wenn bereits Nierensteine, eine Nierenerkrankung oder eine Neigung zu Harnsteinen bekannt sind. Oxalsäure kann die Bildung von Calciumoxalat-Steinen begünstigen. In diesem Fall sollte die individuelle Ernährung mit der Frauenärztin, dem Frauenarzt oder einer Ernährungsfachkraft besprochen werden.
Auch bei einem diagnostizierten Eisenmangel lohnt sich ein genauer Blick auf die Menge und den Zeitpunkt. Oxalsäure kann die Aufnahme bestimmter Mineralstoffe erschweren. Wer Eisenpräparate einnimmt, sollte Rhabarber nicht gleichzeitig als festen Bestandteil jeder Mahlzeit einplanen, sondern die Einnahme mit dem behandelnden Team abstimmen.
Eine feste Schwangerschaftsportion in Gramm gibt es nicht, die für jede Frau gleichermaßen gilt. Eine kleine Schale gegarter Rhabarber ist etwas anderes als täglich große Mengen Rhabarbersaft oder roher Stangen. Die persönliche Verträglichkeit und die medizinische Vorgeschichte sind wichtiger als eine starre Zahl.
Nach dem Essen können ein leicht pelziges Gefühl im Mund oder saures Aufstoßen auftreten. Bei starkem Erbrechen, heftigen Bauchschmerzen, Kreislaufproblemen oder dem versehentlichen Verzehr von Rhabarberblättern sollte man medizinischen Rat einholen oder eine Giftinformationszentrale kontaktieren.
Rhabarber in der Stillzeit und als Arzneimittel
Für Stillende gilt beim Gemüse grundsätzlich eine ähnliche Einschätzung. Üblich zubereitete Rhabarberstangen sind normalerweise kein Grund, auf das Lebensmittel zu verzichten. Entscheidend ist auch hier, dass keine Blätter verwendet werden und der Rhabarber nicht in großen Mengen roh gegessen wird.
Eine wichtige Ausnahme wird häufig übersehen. Rhabarberwurzel als Arzneimittel ist nicht dasselbe wie Rhabarberkompott. Präparate mit Medizinalrhabarber werden traditionell gegen Verstopfung eingesetzt, können aber stark abführend wirken und sind in Schwangerschaft und Stillzeit nicht für die Selbstmedikation geeignet.
Bei Verstopfung würde ich deshalb nicht eigenständig zu Rhabarberwurzel, Kräutermischungen oder Abführtees greifen. Besser sind ausreichend Flüssigkeit, ballaststoffreiche Lebensmittel, Bewegung und eine ärztliche oder hebammengeleitete Empfehlung, wenn die Beschwerden anhalten.
Welche Rhabarberportion im Alltag sinnvoll ist
Rhabarber sollte eher als saisonale Ergänzung und nicht als tägliches Grundnahrungsmittel betrachtet werden. Eine kleine Portion gegartes Kompott zu Joghurt oder Quark ist alltagstauglich. Beim Kuchen ist meist nicht der Rhabarber das Hauptproblem, sondern die Kombination aus viel Zucker, Fett und großer Portionsgröße.
Rote Stangen schmecken oft milder als grüne und brauchen deshalb weniger Zucker. Das ist für die Schwangerschaft praktisch, besonders wenn Sodbrennen oder Schwangerschaftsdiabetes eine Rolle spielen. Bei Schwangerschaftsdiabetes zählt die gesamte Mahlzeit: Rhabarber allein enthält wenig Energie, Kuchen und süßer Sirup können den Blutzucker dagegen deutlich stärker beeinflussen.
Die klassische Saison reicht in Deutschland ungefähr bis zum Johannistag am 24. Juni. Danach steigt der Oxalsäuregehalt tendenziell an. Wer später im Jahr Rhabarber essen möchte, kann früh geerntete Stangen portionsweise einfrieren und später gegart verwenden.
Mit wenigen Regeln bleibt der saure Genuss entspannt
Meine praktische Faustregel lautet: Stangen ja, Blätter nein, gekocht statt roh und lieber gelegentlich als in großen Mengen. Wer gesund ist und Rhabarber als Teil einer abwechslungsreichen Ernährung genießt, muss wegen der Schwangerschaft normalerweise nicht auf Kompott oder ein Stück Kuchen verzichten.
Bei Nierenerkrankungen, wiederkehrenden Harnsteinen, Eisenmangel oder Unsicherheit nach einem ungewöhnlich großen Verzehr ist eine persönliche Beratung sinnvoll. So bleibt die Entscheidung passend zur eigenen Situation und aus einem saisonalen Genuss wird kein unnötiges Sorgen-Thema.